Mar. 31 2011
Katja Pfäffli

Katja Pfäffli

Nach neun Jahren bei Terre des hommes als Verantwortliche für Erbschaften und Legate, geht Katja Pfäffli bald in den wohlverdienten Ruhestand. Vorher wollten wir allerdings noch von ihr wissen, wie sie denn eigentlich diese Arbeit erlebt hat.

Wie sah Dein beruflicher Weg vor Deiner aktuellen Stellung bei Terre des hommes aus?
Meine berufliche Laufbahn im Verlagsbereich führte mich über verschiedene Stationen des Kunsthandels und Kunstbuchverlages – von der Leitung einer Sachbuchredaktion bis zur Verlagsleitung. Ende der 90er Jahre, nachdem ich gekündigt hatte, galt es zu überlegen, ob ich mich an einem andern Verlag beteiligen, in Amerika zu Freunden ziehen und einen Abschluss in Kunstgeschichte endlich machen sollte und anderes mehr. Ich liess mir Zeit, das Richtige zu finden.

Was hat Dich dazu gebracht?
2002 suchte Terre des hommes-Kinderhilfe jemanden, der sich um Erbschaften kümmert. Die Organisation war mir schon lange aufgefallen und kreiste in meinem Kopf – auch aufgrund meiner eigenen komplizierten Geschichte. Es war mir schon früh klar, dass ich mich einmal für die Belange von Kindern einsetzen wollte, und so kam die Stelle bei Terre des hommes gerade recht. In Erbschaften hatte ich einige Erfahrung. Als ich dreissig war, starb mein Adoptivvater. Er hatte mich, assistiert von einem Anwalt,  zu seiner Willensvollstreckerin ernannt. Drei Anwälte waren involviert. Der erste hatte beim Aufsetzen des Testamentes inhaltliche Fehler zugelassen, weshalb ich zwei Anwälte beiziehen musste; die Abwicklung zog sich über drei Jahre hin. Bald schon kannte ich das Erbrecht in- und auswendig.

Ich bin keine grosse Optimistin was die Weltlage anbelangt, aber ich glaube, dass es unsere Aufgabe ist, für sich selbst und andere zu wirken. Es ist meine Überzeugung, dass man bei Kindern ansetzen sollte, denn bei ihnen lassen sich Entwicklungen noch ins Positive wenden. Kinder haben Rechte, und Terre des hommes setzt sich für ihre Grundrechte wie beispielsweise Schutz vor Gewalt oder Recht auf Bildung ein*.

Sich um Legate und Erbschaften zu kümmern ist eine Funktion, die man nicht so gut kennt. Die Verbindung mit dem Tod, die dabei in den Köpfen der Menschen entsteht, kann unbequem werden. Wie hast Du diese Situation erlebt? Was hast Du für Schlüsse daraus gezogen?
Der Tod ist die einzige Gewissheit, die wir haben und das Testament die letzte Möglichkeit, Bilanz zu ziehen und im Rahmen des Gesetzes seinen Willen durchzusetzen. In meiner Arbeit bin ich mit den letzten Dingen im Leben von Menschen betraut; Attitüden und Status, ja alles Unwesentliche fallen dahin. Das Rohmaterial Mensch rückt in den Mittelpunkt, in seinen Stärken und Schwächen. Die Aufgabe des Verantwortlichen für Vermächtnisse und Erbschaften ist mehr als eine Arbeit, erst recht mehr als ein “Job”, man muss eine charkterlich gereifte, nicht nur geschäftlich, sondern auch menschlich glaubwürdige Persönlichkeit sein, um Erbschaften urbar zu machen.

Was sind die nötigen persönlichen und beruflichen Eigenschaften, die für diese Arbeit nötig sind?
Man sollte vielseitig, durchsetzungsfähig und empathisch sein, denn die Tätigkeiten umfassen ein breites Spektrum: vom administrativen Aufwand zur
Abwicklung von Erbschaften, bis zu Testamentsberatung im Bereiche des Erbschaftsmarketing. Ebenfalls sollte man sich in verschiedenen Situationen zu helfen wissen, da jede Erbschaft andere Fragen aufwirft ist.

 

*Abstract: “Geld & herzblut”, Muriel Bonnardin (Hrsg.), Kontrast verlag

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Jessica Schweizer

At Tdh since 2003, I am now communication coordinator.